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Autor Thema: Wie baut man ein reales Gebäude aus Lego nach?  (Gelesen 81 mal)

kofi

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Wie baut man ein reales Gebäude aus Lego nach?
« am: 14. November 2017, 11:11:55 Vormittag »

Vor ein paar Tagen hat mich hier im Forum ein User angeschrieben und gefragt ob ich ihm ein paar Tipps geben könne, wie man denn Gebäude aus Lego nachbaut. Auf den Ausstellungen fragten mich die Besucher oft wie ich denn das Burgtheater gebaut hätte und ob es da Anleitungen dazu gibt....
Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen und meine bescheidenen Gedanken dazu im Forum veröffentlichen. Eventuell geht es mehreren Baumeistern so, dass sie nicht recht wissen wie sie so ein großes Projekt angehen sollen. Hier also eine vielleicht Hilfestellung zum "Drübertrauen". Kommentare, Ergänzungen sind natürlich gerne gesehen!!!

Es gibt unzählige architektonisch wertvolle, cool aussehende, oder auch einfach persönlich interessante Bauwerke in Österreich herumstehen. Wenn du dich für eines entschieden hat, solltest du erst mal Informationen sammeln.
Diese können vielschichtig sein. Das Internet bietet da natürlich viele (nicht unbegrenzte) Möglichkeiten.
Nach was sollst du Ausschau halten:
>Grundrisse (schwierig zu finden im Netz)
>Bilder von den verschiedenen Fassadenfronten (nutze Flickr oder einfach Mr Google und es werden bestimmt Bilder ausgespuckt)

Handelt es sich um ein Gebäude, das jetzt nicht gerade "weltberühmt" ist, bieten sich folgende Möglichkeiten wie du an die gewünschten Infos kommst:
>einschlägige Bücher über das Gebäude, den Ort, die Stadt; den Architekten
>Nimm deine Händiekamera, mach einen Ausflug zum Objekt der Begierde und mach Fotos von allen Seiten, geh einmal rund ums Gebäude und vergiss nicht darauf Detailaufnahmen von Eingangsportalen; Statuen und ähnlichem zu machen. Je mehr Fotos desto gut!! (An dieser Stelle nochmal Danke an Herb für seine Pionierarbeit damals! ;) )

Ich finde es auch immer wieder hilfreich wenn ich etwas über das Gebäude selbst erfahre. Die Entstehungsgeschichte, eventuelle Umbaumaßnahmen und so weiter, erstens interessiert mich sowas, wenn ich etwas nachbaue, andererseits ist es eine Bereicherung für dein MOC (My Own Creation = dein selbst geschaffenes Bauwerk aus LEGO). Das sieht man dann ganz deutlich bei den Details die du einbaust. Du wirst sehen, du gehst anders an die Sache ran, wenn du diese Hintergrundinfo übers Gebäude selbst hast!

Ich arbeite mit den Bildern immer in Hardcopy, das heißt es liegen bei mir unzählige Ausdrucke von Detailansichten usw herum... natürlich kannst du da auch deinen Laptop nebenan legen... das Smartphone ist auch eine Option, nur ist der Bildschirm so klein und entsperren musst es dann auch regelmäßig... das fördert nicht gerade das Bauerlebnis!!
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Nachdem nun die Datensammlung abgeschlossen ist geht es los mit Bauen.
Manche erstellen zuerst mit LDraw, einem Programm, wo man mit Legosteinen digital bauen kann, das Gebäude. Das spart große Investitionen an Legosteinen ist aber sehr Zeitaufwändig (zumindest für mich).
Ich bau immer gleich darauf los...
Ist aus meiner Sicht absolut abhängig vom persönlichen Empfinden bzw vom schon vorhandenen Steinevorrat...
Dazu ist zu sagen, wenn du einen gewissen Grundstock an Steinen hast, dann bau drauf los, achte nicht auf die Farben, und wenn du fertig bist kaufe dir die benötigten Teile in den entsprechenden Farben und tausche sie aus. Das spart auch einiges an Geld... Zeit musst halt haben dafür!

Wo beginnt man zu bauen....
Such dir eine schwierig zu bauende Stelle beim Gebäude aus... Rundungen sind meist etwas tricky mit den eckigen Steinen. Also zB die Rundung bei der Front des Burgtheaters, oder ein Kuppeldach (zB Secession) oder ähnliches...
Bau diesen Abschnitt ganz losgelöst vom Rest des Bauwerks, in der Größe, wie es für dich gelungen aussieht.
Danach übertrage diese Proportionen auf den Rest des Bauwerkes, somit hast du die endgültige Größe und den Umfang des Bauwerkes. Hier kannst du dann noch versuchen es kleiner oder größer zu bauen, je nachdem wie du es haben willst. Zu einem späteren Zeitpunkt die Größe zu ändern würde ich dir nicht anraten, das wäre Schade drum!

Welchen Maßstab wähle ich.....
Nun es gibt da keine Grenzen.
>Fürs Budget spricht Microscale, ähnlich den Architecture Sets, die es im Handel gibt. Auch hier kann man recht gut Details einfangen! Minimicroscale, so nenn ich das einmal, würde sich auf die Proportionen und Konturen von Gebäuden beschränken. Diesen Maßstab wählt man auch gerne, wenn man mit Teilen experimentieren will und zB eine Banane nicht als solche verbauen will sondern einen Springbrunnen damit darstellen will (dieses Beispiel macht keinen Sinn, aber ich denke du verstehst was ich sagen will).
>Minifig-Scale wäre dann ähnlich den Modular Buildings von Lego (die Stadtgebäude, Bank, Kino, Pariser Cafe usw). Eben die Größe, in der eine Minifig durch eine Tür passt, in einem Stockwerk sich nicht den Kopf anhaut... Hier hast du freie Wahl wie viele Details du reinpackst. Aber oft ist weniger mehr! Also zu viel der Details macht den Gesamteindruck dann auch wieder kaputt!
Dieser Maßstab ist deutlich teurer. Aber du kannst hier die gesamte Farbpalette sowie Teilepalette zum Einsatz bringen.
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Wie komme ich zu den Teilen:
>auf willhaben gebrauchte Konvolute kaufen. Nachteil, inzwischen sind viele Fremdteile drin, du kaufst quasi die Katze im Sack. Es sind gebrauchte Teile die eventuell vergilbt, zerkratzt sind. Kilopreis liegt durchschnittlich bei 10 Euro, viele bieten Lego aber zu wesentlich teureren Preisen an! Ich würde dir grundsätzlich davon abraten.
>bricklink ist eine Plattform, wo du gezielt Teile kaufen kannst, du bekommst dann wirklich nur die, die du brauchst in der entsprechenden Stückzahl. Ich hatte noch nie Probleme bei gebrauchten Teilen auf bricklink, es kann natürlich sein, dass manchmal was "schlechtes" dabei ist. Nachteil: Die Seite ist etwas veraltet und Neulinge tun sich da etwas schwer sich zurechtzufinden. Wenn du Hilfe brauchst, melde dich diesbezüglich einfach!
Vorteil: in Wien aber auch in der Steiermark und bestimmt auch in den anderen Bundesländern gibt es solche bricklink-Händler. Du könntest dir somit die Versandkosten sparen.
>Teilebestellung bei LEGO direkt: Nachteil: es ist nicht immer alles verfügbar. Teilweise sind die Preise sehr hoch dort, dafür bekommst du aber absolute Neuware. Versandkosten liegen bei 1,80 Euronen.

Grundsätzlich solltest du vor dem Kauf die Preise vergleichen! Ich hab schon neue Teile bei LEGO direkt wesentlich günstiger gekauft als auf Bricklink (einerseits wegen der verfügbaren Menge, aber auch bei Sonderfarben (Pastelltöne zB) lohnt sich der Vergleich.
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Die wichtigste Frage: Das Budget!
Wie du oben bereits gelesen hast, richtet sich das nach mehreren Faktoren: Die Größe des Bauwerkes an sich, dann der gewählte Maßstab sowie welche Teile werden verwendet (gebrauchte, neuwertige, welche Farben usw)
Deshalb ist es wahnsinnig schwer sowas vorab zu sagen. Als Anhalt für dich: Das Burgtheater hat über 18.000 Teile (die meisten sind 1x2 weiße Platten), 95% sind Neuteile. Ich hab dafür einen Monatslohn ausgegeben.
Anders Beispiel: Das Baumhaus, hat vermutlich (ich habs nicht gezählt) 4000 Teile mit zahlreichen Sonderfarben und Teilen, da komm ich auf ca 500 Euro.

Ich würde dir nicht raten, dass du dir ein Budget vornimmst, das hemmt beim Kauf, beim Bau und überhaupt. So ein Projekt wird nicht billig sein!
Aber, nimm dir die Zeit, du musst das Gebäude ja nicht in 3 Monaten fertig haben! Lass dir 1 Jahr oder auch 3 zeit (manche bauen über 20 Jahre an etwas und es ist immer noch nicht fertig!), kaufe dir dann je nach Verfügbarkeit wieder Teile... so würd ich das angehen...
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So ich hoffe ich konnte dir einen Überblick geben, sollten noch Fragen auftreten, einfach hier rein posten!
« Letzte Änderung: 14. November 2017, 11:15:11 Vormittag von kofi »
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Mittelalterliches Windrad kurz vor der Fertigstellung

herb66

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Re: Wie baut man ein reales Gebäude aus Lego nach?
« Antwort #1 am: 14. November 2017, 12:51:18 Nachmittag »

Ich bin auch gefragt worden, wahrscheinlich vom gleichen, bin aber versehentlich eine Antwort schuldig geblieben, zumind. hab ich meine Antwort nicht im Postausgang gefunden.

In weiten Teilen stimm ich mit kofi überein, ich möchte nur ein paar Sachen ergänzen.

Zuerst meine eigene Definition zim Thema "Microscale":

Diese Modelle sind in den wenigsten Fällen maßstabsgetreue Abbilder der Originale, sondern es findet immer nur eine Annäherung an die Proportionen unter Einbeziehung von essenziellen Gebäudemerkmalen statt, die dann oft prominenter als im Original in Erscheinung treten (überspitzte Darstellung).

Kleine Modelle zu bauen ist insofern herausfordernd, weil man durch die Mindestgröße von Legoteilen stark limitiert ist. Man muss versuchen, mit möglichst wenigen Teilen so zu bauen, dass man das Gebäude trotzdem sofort erkennt. Und man darf ruhig auch viele Details berücksichtigen, soweit es eben möglich ist.

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Ich beginne in der Regel anders als kofi: Ich schaue mir die Fassade an und versuche darin die LEGO Steine zu entdecken. Bei der Stadtbahnstation Währingerstraße waren es die Rundbögen auf der Seite, wo nur die 6er LEGO Bögen in Frage kamen, damit ich erstens genug Fenster darüber unterbringe, und zweitens nicht noch größer bauen muss. alles andere musste sich dann gemäß den ungefähren Proportionen nach dieser ersten Wand richten. Bloß keinen fixen Maßstab anwenden, das ist eine furchtbare Rechnerei und nimmt, zumindest mir, den Spaß am Bauen.

Ich baue auch nicht die schwiergsten Teile zuerst, sondern lass die Schwierigkeiten auf mich zukommen. D.h. ich fang mal ganz harmlos ganz unten an, und während ich das tu, seh ich schon, wo die Probleme später entstehen werden. Aber Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden und wenn man mal das Gebäude fertig hat, wird sich für das Dach schon irgendeine Lösung finden. Ich habe noch immer für alles eine Lösung gefunden, da muss man einfach optimistisch sein. Das ist eben die Herausforderung, die Würze an der ganzen Bauerei. Und wenn man etwas schier unmögliches geschafft hat, ist die Freude danach umso größer, ganz zu schweigen von den Vereinskollegen und Fans, die man damit beeindrucken kann.

Das wichtigste ist, so wie auch bei vielen anderen Künsten, dass man sich trauen muss. Einfach mal drauflos werken, immer wieder mal Rückbauen während dem Bauprozess ist völlig normal.

Bedenken sollte man auch die spätere Transportierbarkeit. Das Gebäude sollte, je nach Größe, in einzelteile zerlegbar sein, die man leicht wieder zusammenstellen kann, nicht so wie bei meiner Währiingerstraße, die 72 cm lang ist, und in keine Schachtel passt. 

   


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herb66

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Re: Wie baut man ein reales Gebäude aus Lego nach?
« Antwort #2 am: 14. November 2017, 14:42:36 Nachmittag »

Ich kann auch anbieten, mal mit einem Interessierten zu einem Wiener Gebäude hinzugehen und vor Ort miteinander zu besprechen, wie man so was am besten angeht. Miteinander die Architektur studieren, Steine in der Fassade finden, die Probleme erörtern, eine erste Bleistiftskizze machen, etc.

Gerne auch als Gratis-Workshop mit mehreren Teilnehmern, wenn es den Bedarf gibt! Einfach hier im Thread anmelden.
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